Die Warschauer Linie
Sechs Generationen Brodzikowski vom Wappen Wieniawa: von den Dörfern am Bug, ein paar Dutzend Kilometer von Treblinka, über den Warschauer Stadtteil Praga bis zu einem Offizier der Heimatarmee und einem Schauspieler.
Am Bug: Postoliska, Sadowne, Kołodziąż
Die ältesten bekannten Vorfahren dieser Linie sind Antoni Brodzikowski und Łucja geb. Leszczyńska. Ihr Sohn Wojciech heiratete 1824 in Postoliska bei Tłuszcz Franciszka Filipkowska, die Tochter von Jakub und Bogumiła geb. Zebrowska.
Wojciech und Franciszka ließen sich in der Pfarrei Sadowne am Bug nieder, im damaligen Kreis Węgrów. Um 1825 wurde ihnen Leopold Adolf geboren und 1837 im nahen Kołodziąż Piotr Paweł, getauft auf gleich fünf Namen: Piotr Paweł Bogumił Józef Kazimierz. So reiche Namen gab man meist in Familien von einigem Ansehen.
Kołodziąż und die Gegend um Sadowne gehörten damals zu den Gütern der Familie Zamoyski. 1821 erhielt Stanisław Kostka Zamoyski sie vom Zaren im Tausch gegen die Festung Zamość, 1824 übergab er sie seinem Sohn Andrzej. Hier gab es ein Gut, später auch Wassermühlen, ein Sägewerk und Terpentinsiedereien. Als Wappenadel ohne eigenes Dorf könnten die Brodzikowskis hier als Gutsbeamte gearbeitet haben: als Verwalter, Wirtschafter, Förster oder Pächter. Das ist unsere Vermutung, die Dokumente noch nicht bestätigt haben.
Leopold Adolf und Ludwika: zwischen Sadowne und Praga
Leopold Adolf Brodzikowski (um 1825–1906) heiratete 1852 in Sadowne Ludwika Turkowska (1836–1918), die Tochter von Stanisław und Scholastyka geb. Bukowiecka. Die Familie lebte zwischen Sadowne und dem Warschauer Stadtteil Praga. In Praga, in der Pfarrei Unserer Lieben Frau von Loreto, kam Aleksander Szczepan zur Welt (26. Dezember 1853). In Sadowne starb 1860 der kleine Andrzej, 1861 wurde Władysław geboren. Leopold und Ludwika hatten mindestens sieben Kinder, darunter Roman Kazimierz und den jüngsten, Konstanty (1874–1954).
Wojciech, das Oberhaupt der Familie, starb 1878 in Wielgie Ogrodniki in der Pfarrei Stoczek Węgrowski, noch immer in derselben Gegend am Bug. Leopold Adolf starb am 12. Januar 1906 in Warschau-Marymont. Er wurde auf dem Powązki-Friedhof beigesetzt, in dem Grab, in dem später auch sein Sohn Konstanty bestattet wurde.
Der zweite Zweig: Piotr Paweł
Wojciechs jüngerer Sohn, Piotr Paweł (1837–1920), heiratete 1860 in Mińsk Mazowiecki Marianna Wolska. Noch im selben Jahr wurde in Sadowne ihr Sohn Julian geboren. Höchstwahrscheinlich ist er derselbe Julian Edward, der 1886 in Praga Stanisława Osmulska heiratete. Ihre Kinder kamen in Chotomów zur Welt, und Julian Edward selbst starb 1945 in Dąbrówka Szlachecka (heute Tarchomin). Piotr Paweł starb 1920 in Warschau. Sein anderer Sohn, Bolesław, war unser Urgroßvater.
Warschau: Aleksander und Konstanty
Aleksander (1853–1936) heiratete 1879 in Wola Bronisława Stefania Jarzyna (1858–1937). Ihre Söhne waren Stefan vom Wappen Wieniawa (1892–1982), begraben in Włocławek, und höchstwahrscheinlich Kazimierz (1897–1979), Schauspieler, geboren in Włocławek.
Konstanty (1874–1954) heiratete 1897 in der Allerheiligenkirche Jadwiga Zofia Podwińska (1876–1963). Ihr Bruder Wacław Podwiński (1872–1954) war ein bekannter sozialistischer Aktivist. Sie hatten die Söhne Jerzy (geb. 1900) und Wacław Euzebiusz (geb. 1903).
Jerzy: Nachrichtenoffizier (1900–1944)
Konstantys Sohn wurde Berufsoffizier. 1920 kämpfte er gegen die Bolschewiki, ab 1938 befehligte er die Nachrichtentruppe der Masowischen Kavalleriebrigade, mit der er den September 1939 durchstand. Im Untergrund war er unter dem Decknamen „Embek“ Chef der Nachrichtenverbindungen des Westgebiets der Heimatarmee. Im Frühjahr 1944 verhaftete ihn die Gestapo. Er starb während des Verhörs in der Aleja Szucha.
Kazimierz: ein Mann des Theaters (1897–1979)
Leopolds Enkel spielte jahrzehntelang auf den Bühnen von Warschau, Krakau, Posen, Bromberg und Thorn und leitete 1935 das Theater in Częstochowa. Er unterrichtete auch an der Filmhochschule Łódź und übersetzte Turgenjew und Gogol. Seine letzte Rolle spielte er in Andrzej Wajdas Die Mädchen von Wilko, in seinem Todesjahr. Kazimierz’ ganzes Blatt →
Es ist unsere Linie: durch Urkunden bestätigt
Unser Stammbaum beginnt mit Großvater Stanisław Brodzikowski (1894–1969). Im Stammbaum bei MyHeritage hieß sein Vater „Stanisław“, aber die Dokumente sagen etwas anderes. In den Kirchenbüchern von Praga, in der Pfarrei Unserer Lieben Frau von Loreto (derselben, in der Aleksander getauft wurde), ist 1894 die Geburt von Stanisław Brodzikowski eingetragen, Sohn von Bolesław und Julia geb. Iwanicka. Bolesław hatte Julia 1892 in Praga geheiratet; später bekamen sie noch Edmund (1895) und Bolesław Edmund (1901).
Geburtsurkunde Nr. 849/1894: Stanisław kam am 14. April 1894 (nach julianischem Kalender am 2. April) in Praga zur Welt. Sein Vater Bolesław, 25 Jahre alt, war Schlosser. Zeugen waren Włodzimierz und Piotr Brodzikowski aus Jabłonna. Heiratsurkunde Nr. 252/1892: Bolesław war in der Pfarrei Sadowne geboren und der Sohn von Piotr und Maria geb. Wolska, also ein Enkel von Wojciech. Er heiratete Julia Helena Iwanicka aus Łomża.
Entscheidend ist Großvaters Heiratsurkunde Nr. 127/1919: Am 27. September 1919 heiratete Stanisław Brodzikowski in der Pfarrei St. Stanislaus in Siedlce Bronisława Polkowska, und als seine Eltern sind Bolesław und Julia geb. Iwanicka eingetragen. Auf dem Grabstein in Bolesławiec steht der 12. April 1894, zwei Tage vor dem Datum im Kirchenbuch, was auf Grabsteinen oft vorkommt. Großvater Stanisław ist also ein Urenkel von Wojciech aus Sadowne, nicht über Leopold Adolf, sondern über dessen Bruder Piotr Paweł. Jerzy und Kazimierz sind unsere entfernten Cousins.
Quellen: Indizes der Kirchenbücher bei Geneteka (Pfarreien Postoliska, Sadowne, Stoczek Węgrowski, Mińsk Mazowiecki, Warschau); M.J. Minakowski, Genealogia potomków Sejmu Wielkiego; Wikipedia: Kołodziąż; Info Sadowne; Słownik geograficzny Królestwa Polskiego, Bd. XII; die Lebensbilder auf der Seite Blätter aus der Geschichte. Wir zeigen nur Personen, die vor mehr als 10 Jahren gestorben sind.